Sonntag, 14. Oktober 2012

Rezension: Messias Maschine - Chris Beckett

In einer fernen, dystopischen Welt besteht die gesamte Bevölkerung der Erde nur noch aus religiösen Fanatikern, Wissenschaftler werden verfolgt. Wissen, Technik und Fortschritt- das sind Dinge, die in dieser Welt verboten sind.
Zufluchtsort für alle Wissenschaftler ist die Stadt Illyria, die einzige Stadt auf der ganzen Welt, in der die Wissenschaft nicht nur erlaubt, sondern höchstes Gut ist.
Einwohner von Illyria ist auch George, ein eher schüchterner Mensch, der noch bei seiner Mutter lebt- diese nämlich verschwindet zunehmend in den nicht realen Gefilden der fiktiven Welt des SenSpace, eine Einrichtung, durch die man aus der realen Welt verschwinden kann und in seine ganz eigene Welt eintaucht.
George verliebt sich. Das Problem dabei ist, dass die Frau, die er liebt, ein Roboter ist. Eine künstliche Intelligenz, ohne jegliche Gefühle.
Doch stimmt das wirklich? Hat Lucy- so heißt der Roboter- wirklich keinerlei Gefühle? Denn es scheinen Anzeichen von Emotionen in ihr aufzutauchen. Gerade das allerdings ist ein Problem: Alle paar Monate werden die Roboter auf Werkseinstellungen zurückgestellt. Und all ihre Gefühle für ihn würden verschwinden.

Als ich das Buch im Laden gesehen hab, erschien es mir so skurril, dass ich es einfach nicht liegen lassen konnte. Was war das für ein Buch? Und warum hatte ich noch nicht davon gehört?
Im Internet habe ich dann nach dem Buch gesucht und ziemlich wenig gefunden, außer der Website des Autors selbst.
Ich habe also angefangen zu lesen; dabei musste ich gleich feststellen, dass der Autor zwar einen leicht experimentellen, aber doch beruhigenden, flüssigen Schreibstil hat. Die Kapitel sind kurz und knackig- hat man eines durchgelesen, schaut man in das nächste Kapitel hinein und denkt sich: "Warum nicht?" und liest weiter. Allerdings ist es nicht so, dass man spannungsgeladen von Seite zu Seite blättert, die Zeilen quasi nur noch überfliegt, weil man wissen will, wie es weitergeht.
Genauso ging es mir mit der Story: Sie ist zwar nicht unbedingt schlecht; die Grundidee überzeugt gänzlich und gerade die Science-Fiction-Welt, die doch nicht wirklich eine SF-Welt ist, finde ich gelungen konstruiert. Doch ist es auch so, dass über die Grundidee heraus nicht sonderlich viel passiert. Es gibt nicht viele Wendungen und auch nicht allzu viele Schockmomente oder Cliffhanger- die Story geht langsam weiter, immer auf dem gleichen, nicht unbedingt hohen Spannungsniveau, und endet dann einfach.
Die Charaktere sind ähnlich: Sie haben zwar ihre charaktertypischen Rollen, aber so wirklich lebendig werden sie nicht. Der Autor scheint versucht zu haben, den Charakteren Glaubwürdigkeit zu geben, aber nicht unbedingt jede Handlung passt zu den jeweiligen Rollen, vielmehr erscheinen die Personen überzogen, wie aus einem Comic.

Insgesamt also ein Buch, das als Lückenfüller recht gut zu lesen ist, einen netten Zeitvertreib darstellt, aber nicht unbedingt der Knaller ist. Wer dieses Buch nicht gelesen hat, hat nichts verpasst.

3 von 5

Sonntag, 7. Oktober 2012

Rezension: Breaking Bad - Staffel 1 (DVD)

Bryan Cranston als Walter White
Eine geniale Besetzung!
Er ist Familienvater und Chemielehrer an einer Highschool- Walter White führt ein ganz normales Leben. Er wohnt in einem durchschnittlichen Vorstadthaus, zusammen mit seiner Frau Skyler und seinem geh- und sprachbehinderten Sohn Walter Jr. Schon lange arbeitet er an der gleichen Schule, unterrichtet Chemie. Ein bescheidendes und durchschnittliches, aber gutes Leben. Ein Leben, dem nichts entgegenzusetzen ist.
Außer einer Diagnose.
Lungenkrebs.
White kann es kaum fassen. Ihm bleiben nur noch wenige Monate, sollte die Therapie nicht anschlagen. Und seine Chancen stehen denkbar schlecht. Denn die Chemotherapie wird nicht von der Krankenkasse übernommen und Geld von Freunden lehnt er ab.
Wie soll er die Therapie nun also bezahlen? Wie soll er Geld auftreiben, mit dem seine Familie nach seinem Tod durchkommen kann?
Die Antwort findet er durch seinen Schwager, der bei der Drogenbehörde DEA arbeitet- Crystal Meth. Drogen. Er will sie herstellen, gemeinsam mit einem seiner ehemaligen Schüler Jesse Pinkman.
Doch dieser weigert sich. Zunächst. Mit seinem Chemielehrer Drogen herstellen? Niemals. Er ist strikt dagegen- bis er sieht, was für brillanten Stoff sein Lehrer herstellt. Crystal Meth, dass es so noch nicht gegeben hat.
Und so beginnt das Geschäft- und zwar mit allen Risiken der Drogenszene...

Ich ging von Anfang an mit großer Erwartungshaltung an die Serie ran, obwohl das nicht immer gut ist. Oft ist die Erwartungshaltung so hoch, dass man enttäuscht wird. Doch es ging einfach nicht anders. Viel zu gut kannte ich Bryan Cranston (der hier die Hauptperson Walter White verkörpert) aus Malcolm Mittendrin, in der er erstklassig geschauspielert hatte und immer mein Lieblingscharakter gewesen war.
Allerdings verkörpert Bryan Cranston in Breaking Bad eine ganz andere Rolle. Im Gegensatz zur humoristischen Serie Malcolm Mittendrin ist Breaking Bad dramatisch und taucht tief in die psychologischen Hintergründe der Rollen ein. Kann Cranston auch als tiefgründiger Rollenschauspieler überzeugen?, war meine Frage.
Nach der ersten Staffel Breaking Bad kann ich sie mit einem klaren Ja beantworten. Diese Serie ist genial konzipiert und überzeugt eigentlich allein schon durch ihre Grundidee. Doch auch die verzwickten Rollen und ihre Zusammengehörigkeit machen die Serie zu etwas Einzigartigem. Die Geschichte allein würde schon überzeugen, doch dazu kommen noch die Charaktere, und diese haben bei Breaking Bad- im Gegensatz zu vielen der heutzutage produzierten Serien- eine herausragende Eigenschaft: Sie sind authentisch. Glaubwürdig. Auf den ersten Blick scheinen die meisten Charaktere Menschen wie Du und Ich zu sein, doch schaut man genauer hin, hat jeder sein eigenes, kleines Geheimnis.
Gute Charaktere brauchen gute Schauspieler. Die Schauspieler, die in Breaking Bad die Rollen übernehmen, scheinen perfekt für diese Rollen zu passen, als wären sie keine Schauspieler sondern einfach sie selbst. Als wäre Bryan Cranston nicht Bryan Cranston, sondern ein Chemielehrer, den der Lungenkrebs plagt. Als wäre Aaron Paul (der Jesse Pinkman einfach genial spielt!) nicht er, sondern ein junger Mann, der in die Drogenszene abgetaucht ist. Die Besetzung bietet eine unglaubliche Bandbreite an Talenten in verschiedenen Gebieten, und jeder Schauspieler hat seine eigene Rolle bekommen, eine Rolle, die wie maßgeschneidert für ihn scheint.
Diese Verknüpfung einer guten Geschichte, authentischen Charakteren und überzeugenden Schauspielern findet man heute nur noch selten- meistens beschränkt sich die Serie auf eine der oben genannten Dinge. Breaking Bad allerdings schafft es, schauspielerische Leistung mit einer genialen Geschichte zu verknüpfen, und das Ergebnis kann sich sehen lassen- allein die sieben Folgen der ersten Staffel sind so atemberaubend spannend und stimmig, dass man die zweite Staffel einfach direkt mitbestellen sollte.

Samstag, 6. Oktober 2012

Rezension: Abgeschnitten - Sebastian Fitzek und Michael Tsokos

Der Rechtsmediziner Paul Herzfeld hat schon genügend Probleme, doch ahnt er für den heutigen Tag gar nicht, dass ihm das Grauen noch unmittelbar bevorsteht. Denn bei der Obduktion einer übelst zugerichteten Leiche entdeckt er eine Kapsel in deren Kopf. In dieser Kapsel ist ein Zettel mit dem Vornamen seiner Tochter und einer Handynummer- kann das Zufall sein? Als er seine Tochter erreichen will, findet er heraus, dass sie verschwunden ist.
Zur gleichen Zeit. Comiczeichnerin Linda Kaminski gönnt sich eine Auszeit. Es ist ihr alles zu viel geworden. Gerade erst ist sie ihren Freund losgeworden, Danny, ein Stalker, der ihr zuletzt Säure in die Hautcreme gemischt hatte, was ihre ganze Haut vernarbte. Sie entflieht ihrem Alltag und begibt sich auf die Nordseeinsel Helgoland, um sich dort ganz dem Zeichnen und der Ruhe zu widmen. Doch da wird es ihr unbehaglich- einige Dinge scheinen zu geschehen, die darauf hindeuten, dass ihr Stalker-Freund wieder da ist- unmöglich, ihr Bruder hatte ihn doch daran hindern wollen!
Und zu allem Überfluss taucht am Strand von Helgoland auch noch eine Leiche auf. Eine Leiche, die ein Handy mit sich trägt. Ein Handy, das angerufen wird von Paul Herzfeld.
Anscheinend hat diese Leiche irgendwas mit dem Verschwinden seiner Tochter zu tun? Doch was?
Der nächste Hinweis muss sich im Körper der Leiche befinden. Doch Herzfeld kommt nicht auf die Insel- sie ist abgeschnitten durch einen Orkan.
Also bittet er Linda um einen großen Gefallen- sie muss die Leiche obduzieren, um so vielleicht den rettenden Hinweis zu finden...

Anfangs war ich sehr skeptisch mit diesem Buch. Natürlich habe ich mich als großer Fitzek-Fan darauf gefreut, so wie das bei allen seinen anderen Büchern auch schon der Fall war. Doch trotzdem erschien es mir irgendwie komisch- Fitzek schreibt zusammen mit einer anderen Person? Michael Tsokos? Kann dieses Experiment funktionieren?
Als das Buch dann bei mir war und ich sofort die ersten 100 Seiten verschlang, war mir klar- ja, das Experiment ist geglückt! Und wie!
Selten habe ich einen so spannenden Thriller gelesen, eine Story, die rasanter abläuft als ein Actionfilm aus Hollywood. Fitzek-Typisch ist so gut wie jedes Kapitelende ein Cliffhanger, und da die Kapitel alle sehr kurz sind, denkt man sich: komm, noch ein Kapitel, dann hör ich auf. Und das immer wieder.
Dieses Buch ist stilistisch immer noch auf der gleichen Ebene wie all die anderen Bücher von Sebastian Fitzek und steht denen in keinem Punkt nach, im Gegenteil- die Story ist so spannungsgeladen, dass sie sogar noch besser ist als die des Seelenbrechers oder der Therapie. 
Gute Thriller sind nicht selten auf dem Markt, brillante aber schon. Dieser Thriller ist brillant, in allen Ebenen, meiner Meinung nach.
Die Personen haben allesamt Charakter und man kann mit ihnen mitfiebern; sie handeln authentisch, ohne dabei stereotyp zu wirken. Jeder Charakter hat etwas für und gegen sich und mit den Hauptpersonen fühlt man mit, als wären sie enge Freunde oder Verwandte.
Man kann dieses Buch wie einen Kinofilm genießen- eine Tüte Popcorn daneben und den ganz eigenen Film im Kopf mitlaufen lassen. Denn wie schon beim Seelenbrecher oder beim Augensammler entsteht im Kopf ein so großes Spektakel, dass der Fernseher für den Abend ausbleiben kann. Und wenn ich für den Abend sage, dann meine ich das. Denn länger als ein, zwei Tage wird man mit diesem Buch nicht beschäftigt sein. Es ist unmöglich, dieses Buch nicht schnell durchzulesen.
Dafür ist es einfach viel zu gut.
5 von 5

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Über unser Lehrsystem

"Non scholae, sed vitae discimus!" Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir! - So lautet ein bekanntes Sprichwort, das dem römischen Philosophen Lucius Aenaeus Seneca zugeschrieben wird, und in diesem Sprichwort steckt ein wahrer Kern. All der Lehrstoff, den jeder Bürger der Bundesrepublik kennen muss, soll auf das nach der Schule folgende Berufsleben vorbereiten; er ist dazu da, dass sich der allgemeine Bürger im Hauptteil des Lebens möglichst schnell zurechtfindet, der Einstieg in den Beruf soll in einer möglichst kurzen Zeit und mit höchster Erfolgsquote geschehen. So formuliert, scheint dieses System jedenfalls theoretisch eine großartige Struktur vorzuweisen; ein System, das eine erfolgreiche Vorbereitung auf das Leben verspricht.
Leider ist die Praxis in Deutschland nicht ganz dem gerecht, was den Grundsätzen einer schulischen Laufbahn entspricht, bzw. im idealtypischen Fall entsprechen sollte.
Und tatsächlich handelt es sich bei dem oben genannten Zitat Senecas um ein falsches, denn der römische Philosoph erkannte schon vor 2000 Jahren das, was heutzutage in Deutschland die Tagesordnung zahlreicher Schüler ist. Richtig zitiert, lautet Senecas Aussage: "Non vitae, sed scholae discimus!"- Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir! Und gerade dieses Sprichwort trifft dem Nagel buchstäblich auf den Kopf. Es beschreibt das deutsche Schulsystem besser als jedes andere Zitat. Um dies zu belegen, reicht ein Blick in die Lehrpläne der deutschen Schulen- es muss sich eng an den Zeitplan gehalten werden, um das gesamte Material durchzunehmen, das in den Kerncurricula festgelegt ist- gerade durch die unbegründete Schulreform "G8", die in den letzten Jahren in Deutschland durchgeführt wurde und den gymnasialen Unterricht auf 12 Jahre kürzte, wird die Zeit, die schieren Massen an Wissen aufzunehmen, nochmals eingeschränkt.
Dadurch, dass die Mengen an angeblich benötigtem Lehrmaterial in diesem kurzen Zeitraum auf die Schüler zukommen, bleibt weniger Zeit, dieses Wissen zu verarbeiten- viele Lehrstoffaspekte gehen dabei verloren (und dies ist ja nicht Sinn der Sache).
Doch scheint der eigentliche Sinn der Schule ebenfalls abhanden gekommen zu sein, denn wie nötig ist das Wissen, das die Schule lehrt, für das spätere Leben tatsächlich?
Der Druck auf die meisten Schüler ist in so hohem Maße gestiegen, dass der meist gerade der komplexere Teil des Schulstoffes, die abstrakteren Lehrgebiete, sofort in Vergessenheit geraten. Zwar bauen die Lehrinhalte aufeinander auf, doch werden diese, nachdem sie kurzzeitig abgelegt werden, um neue Themen anzuschneiden, oft sofort wieder vergessen. Es muss Platz für neue Stoffe her, doch kommen diese so schnell, dass die vorherigen Inhalte ihren Weg ins Langzeitgedächtnis noch nicht gefunden haben. Dies ist kein Phänomen der letzten Jahre, dies ist schon seit Jahrzehnten ein "bewährtes" System. An die meisten Inhalte des Schulunterrichts scheint der erwachsene Bürger heute keine Erinnerung mehr zu haben, doch können diese deswegen auch nicht sonderlich wichtig  gewesen sein, im Gegenteil- der vergessene Stoff des Unterrichts wird scheinbar nicht vermisst, größtenteils nicht einmal benötigt.
Wenn also viele der Inhalte im späteren Leben nicht mehr wichtig sind und sogar für den fachtypischen Beruf keinerlei Belang mehr haben, wieso gehören diese dann zum festen Kerncurriculum des Schulunterrichts? Aus welchem Grund muss jeder ohnehin schon überforderte Schüler Dinge lernen, die er sofort wieder vergessen kann?
Fakt ist, dass jedes Schulfach seine spezifischen Inhalte hat und diese bestimmt in einem jeweils dazu passenden Beruf Anwendung finden- ein Ingenieur benötigt die Grundkenntnisse der Mathematik, ein Journalist gute Deutsch- und Englischkenntnisse. Doch ist eben für den Journalisten der weiterführende Mathematikunterricht nicht von Belang, genau so, wie der Ingenieur mit einer Beschreibung des Werks von Pablo Picasso in seinem Beruf nicht weiterkommen wird.
Das Problem dabei liegt darin, dass jeder Schüler alle Lehrstoffe durcharbeiten muss- das, was für seinen Beruf wichtig ist, aber auch den überwiegenden Großteil, der später nicht benötigt wird (nun einmal ganz von den Inhalten abgesehen, die in so gut wie keinen einzigen Beruf eine Anwendung finden dürften).
Zwar ist es nicht nachteilig, ein solides Grund- und Allgemeinwissen aufzubauen und damit die Basis für einen intelligenten und nachdenklichen Menschen zu schaffen, doch stellt sich dabei die Frage, ob dies nun wirklich rechtfertigt, den deutschen Schüler maßlos zu überfordern- schließlich machen immer wieder Begriffe wie "Burn-Out-Syndrom" die Runde.
Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel, doch ist es wirklich Zweck, jedem Schüler alles beizubringen? Und viel wichtiger ist dabei ebenfalls die Frage nach dem, was nicht gelehrt wird. Steuererklärungen, Mietverträge oder Rechtsfragen sind nur einige der Dinge, die im Mathematik-, Deutsch- oder Politikunterricht nicht zum Thema werden, doch sind es gerade diese Dinge, die jeder Mensch braucht; anscheinend ist es allerdings Grundvoraussetzung, das Prinzip einer Einkommenssteuererklärung autodidaktisch zu erlernen.
Doch weiterhin sind die ethischen Aspekte ganz außer Acht gelassen- denn ein Zusammenleben von Menschen, Verhaltens- und Umgangsformen, die den Schülern beigebracht werden sollten, treten in Anbetracht der Lehrstoffe in den Hintergrund. Und so fällt ein weiterer Teil von dem, was man als eigentliche Bildung bezeichnen könnte, weg.
Das Bildungssystem in Deutschland funktioniert, aber nicht gut. Es müssen einige Schrauben gelockert werden, andere befestigt. Nur so kann die Lehrstruktur in Deutschland auch irgendwann zu dem führen, was ihr eigentlicher Zweck ist- zu guten Menschen.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Was ist 'Gut'?


Wenn man viele Bücher liest, Romane verschlingt und sich vielleicht sogar selbst einmal daran getraut hat, ein paar Geschichten auf das Papier zu bringen, bildet man sich schon eine eigene Meinung. Dabei sind nicht nur Story und Plot sehr wichtig, sondern auch der Schreibstil.
Jährlich kommen tausende Bücher auf den Markt, weltweit wahrscheinlich millionen. Und abermillionen Manuskripte liegen noch in den Schubladen ihrer Autoren und geraten in Vergessenheit.
Jeder Autor unterscheidet sich in seinem Stil von den anderen. Doch was ist ein guter Stil? Kann man das wirklich objektiv beantworten?
Die richtige Antwort lautet: Nein. Jeder hat eigene Vorlieben und Interessen, alle Geschmäcker unterscheiden sich bekanntermaßen. Es gibt aber eine Frage, die man durchaus stellen darf, nämlich: Was macht ein gutes Buch aus? Was muss ein gutes Buch bieten?
Dafür muss man einen Schritt tiefer gehen und sich fragen: Warum werden Bücher gekauft?
Das ist ganz simpel und meist ist der Beweggrund gleich: Ein Buch wird der Unterhaltung wegen gekauft. Man will einen netten Abend vor dem Kamin damit verbringen, sich vielleicht eine Zugfahrt verkürzen oder den Weg mit S- und U-Bahn zur Arbeit. Oder man setzt sich ganz gezielt hin um zu lesen, einfach, weil es Spaß macht.
Doch warum werden die vom Allgemeinpublikum „konsumierten“ Bücher immer wieder als trivial abgetan? Warum ist Belletristik, wenn es nach den Kritikern geht, nur der kleine, unwissende Bruder, der hochachtungsvoll zu dem, was man Literatur nennt, aufsieht? Kurz: Warum soll hohe Literatur besser sein als Belletristik?
Der eigentliche Zweck von Büchern ist die Unterhaltung (wenn man von Sach- und Fachbüchern absieht, die der Information dienen). Denn das ist doch das Ziel des Lesers: der Prozess des Lesen soll Spaß machen.
Literatur besteht oft aus einer sehr einfachen Handlung (oft aber auch im Gegenteil: einfach zu verstrickt), hinter der das Bild einer Aussage steht; es ist also die Geschichte als solches zu sehen, und die tiefgründigere Bedeutung. Nun wird bei dem Werk der „hohen Literatur“ meistens mehr Wert auf die letztgenannte tiefgründige Bedeutung denn auf die eigentliche Handlung gelegt. Hat man das Buch einfach nur gelesen, sich um die Handlung gekümmert, hat man das Buch nicht verstanden. Trivial sind die Bücher, die nicht unbedingt mit dieser Bildsprache arbeiten, sondern sich auf die Hauptsache komprimieren: Die Handlung. Oft haben die Bücher aus der Belletristik einen nicht so umfangreichen Wortschatz oder eine solch gehobene Sprache wie die der Literatur, aber entsprechen sie der Wahrheit. Niemand spricht so gehoben und geschwollen wie in der Literatur.
Mir darf nun gerne vorgehalten werden, ich hätte ja den eigentlichen Sinn des Buches nicht verstanden- es ginge nicht darum, dass jemand gehoben redet oder nicht, es geht auch nicht um die Handlung, es geht um die Aussage.
Wenn es also nicht um die Handlung geht, sondern um die Aussage, warum schreibt man dann nicht direkt die Aussage in ein Buch und veröffentlicht dieses?
Statt einer flachen Geschichte kann man einfach die Aussage deutlich machen: KAPITALISMUS ZERSTÖRT DIE ARBEITSWELT DES KLEINBÜRGERTUMS oder ähnliches. Oder aber man lässt seine Aussage in einen spannenden Roman einfließen; denn, liebe Schriftsteller, die sich zu den gehobenen Kreisen zählen, das geht auch- ein Roman, der nicht nur eine Aussage enthält, sondern auch unterhält. Also statt Wenig Aussage + Spannende Handlung (Belletristik) oder Wenig Handlung + Aussage (Literatur) gibt es auch die Art von Romanen, die spannenderweise beides enthält. Ich will nicht anzweifeln, dass ein Buch umso besser wird, wenn es eine übertragen gemeinte, tiefer liegende Symbolität besitzt- aber das heißt nicht, dass es deswegen keine Handlung enthalten muss.
Ein gutes Beispiel von Vereinigung der Handlung und Aussage ist Ernest Hemingways 'Der alte Mann und das Meer'. Zugegeben ist das Buch nicht besonders lang und an Handlung auch lange nicht so reich wie Ken Folletts 'Säulen der Erde'; doch die Geschichte vom Fischer, der beim Fang eines Marlins sein Leben riskiert, ist nicht nur von der Handlung gut und verdammt gut geschrieben, auch hat das Buch eine Aussage, die tiefer liegt als die eigentliche Handlung.
Ernest Hemingway
Seine Novelle 'Der Alte Mann und das Meer' beweist, dass
Unterhaltung und Tiefgründigkeit durchaus vereint sein
können.

Was ist gut? Etwas, das unterhält. Um zu unterhalten, muss ein Buch eine einigermaßen spannende Handlung haben und zudem gut geschrieben sein. Wenn das Buch auch noch eine tiefer liegende Aussage hat, gewinnt es noch mehr an Qualität.
Nur weil ein Buch intellektuell anspruchsvoll ist, ist es nicht unbedingt besser. Auch, wenn der Gesichtspunkt der Unterhaltung missachtet wird- wenn der Schreibstil grottenschlecht ist und der Autor nur mit Mühe über einfache Hauptsatzkonstruktionen hinauskommt, das Buch aber dafür eine Aussage oder Handlung enthält, die so tiefgründig oder (im Falle der Handlung) so verzwickt ist, dass sie nur ein intellektuelles Publikum versteht, ist das Buch nicht gut.
Gut ist das auch daran zu sehen, wie viel in die alten Texte, die heute als Klassiker betitelten Bücher, hineininterpretiert wird. Natürlich machten sich die Autoren damals mehr Gedanken über ihre Geschichten oder Theaterstücke, vielleicht haben sie auch jedes einzelne Wort überdacht- ich kann es nicht sagen.
Aber letztendlich waren Schiller, Fontane und co. damals nichts anderes als die meisten Autoren heute: Schriftsteller. Sie haben Wort an Wort gereiht, der eine gut und der andere nicht so gut.
Goethes 'Die Leiden  des jungen Werthers'
Ein Bestseller.
Heute sind die Klassiker unantastbar. Sie werden besprochen, jedoch nicht bewertet. Wenn man allerdings zurückgeht, zweihundert Jahre auf dem Zeitstrahl nach hinten, ist es so, dass auch Schiller und Goethe damals einfache Autoren waren. Denn damals waren ihre Werke nicht unantastbar, sie wurden mitunter auch kritisiert, genau so, wie Stephen King, oder James Patterson heute. Natürlich müssen ihre Werke etwas besonderes haben, sonst hätten sie nicht so lange überdauert, aber es gab auch negative Gesichtspunkte. Wenn man bedenkt, dass Bücher damals nicht in diesem Umfang verkauft wurden, wie heute, kann man Schiller und Goethe und all die anderen mit James Patterson, Tom Clancy, Nora Roberts oder Stephen King vergleichen. Im Maßstab kann man sagen, dass sich ihre Bücher gleichermaßen gut verkauften.

Letztendlich war Goethe nichts anders, wie all die anderen bekannten (Belletristik-)Autoren heute auch: ein Bestseller-Autor.*


______
*Es lässt sich natürlich anmerken, dass die Anforderungen an Literatur damals anders waren; vor zweihundert Jahren gab es die allgemeine Trivialliteratur, die wir heute kennen, in der Form noch nicht.

Samstag, 14. Juli 2012

Rezension: Amazon Kindle 4



  
Als ich die Nachricht, dass eBooks auf dem Vormarsch waren, zum ersten Mal las (es mag auf der Website des Spiegels oder der Welt gewesen sein), kam sie mir wie eine Hiobsbotschaft vor. Es war für mich wie eine verdrängte Nachricht- verdrängt, da verhasst. Mir war im Geiste irgendwie klar, dass dies das Ende der Bücher sein würde. Das gedruckte Buch? Dem Ende geweiht. Und als alter Mann würde ich in mein Bücherregal schauen- leer. Nur noch eBooks. Gedruckte Bücher sind Flohmarktware, wer würde das denn noch kaufen?
Der Kindle mit dem eInk-Display
Doch ich hatte mir nicht nur eine vorschnelle Meinung gemacht, ich hatte mich auch nicht richtig über das Thema informiert. Wie kann man sich am besten mit eBooks beschäftigen? Am besten, indem man einfach mal einen Reader in der Hand hält. Ich stand den eBooks sehr kritisch gegenüber, wollte mir aber doch ein Bild machen. Ich wollte sie nicht vorschnell beurteilen. Und so war der Reader ein paar Monate später im Haus.
Der Start lief ganz locker- man muss den Reader nur anmachen, alles andere spielt sich von selbst ab. Nicht nur der Reader ist sehr schlicht gehalten, auch die Verpackung- leicht zu öffnen, keine Bedienungsanleitungen, die vom Umfang eher an Ken Folletts 'Säulen der Erde' erinnern und ein einzelnes, schlicht weißes Kabel. Sehr positiv, nicht die übliche industrielle Verpackung. Einzig und allein ein Steckdosenadapter hätte im Lieferumfang enthalten sein können- es ist stattdessen separat zu erhalten (man kann allerdings auch das von Smartphones wie dem iPhone oder vielen Samsung Galaxy Smartphones nehmen). Abgesehen davon muss der Kindle nicht sehr oft aufgeladen werden.
Die Knöpfe wirken sehr stabil und haben eine gute Position
Das bringt mich zu meinem nächsten Punkt. Der Akkulaufzeit. Geworben wird mit einem Monat Akkulaufzeit, mit einer kleinen Einschränkung: bis zu einem Monat Akkulaufzeit. Das gilt dann allerdings bei nur etwa einer Stunde Lesezeit und ohne Aktivierung des W-Lans. Ist das W-Lan einmal an, ist der Akku schnell leer. Und wenn es dauerhaft anbleibt, hat der Kindle selbst beim Nichtlesen kaum eine Woche. Also- immer W-Lan aus, wenn es nicht benötigt wird. Denn dann hält der Akku locker 3-4 Wochen. Und das ist genug.
Auch das Prinzip des Kindle-Shops geht auf- es ist sehr einfach, ein eBook zu downloaden und in Sekundenschnelle befindet es sich auf dem Reader. Ich habe mir mittlerweile um die 50 Klassiker heruntergeladen, die ja kostenlos sind, dazu noch ein paar normale Bücher und ein paar Independent-eBooks. Der Speicher ist nicht einmal annähernd belegt.
Der Kindle auf einem relativ dünnen Buch
Allerdings wird der Shop durch diese Independent-eBooks ziemlich unübersichtlich und verliert an Struktur. Jeder kann so ein Buch veröffentlichen und ich will auch gar nicht anzweifeln, dass so manches Schreibgenie darunter steckt, das entdeckt werden will; doch kann man vorher ja nicht die Spreu vom Weizen trennen. Und sich durch etliche Leseproben zu wälzen ist auch nicht die Lösung. Ebenfalls ist es so, dass viele dieser verlagsunabhängigen eBooks einfach nicht gelesen werden- zu viel im Angebot, zu wenig an Interesse. Deswegen kann man sich auch nicht auf die Rezensionen verlassen- oftmals sind gar keine vorhanden.
Der Kindle neben einem normalen Kuli- sehr flach!
Das Prinzip der kostenlosen Klassiker macht dieses kleine Defizit allerdings wett. So gut wie jedes Buch, dessen Autor mehr als 70 Jahre verstorben ist, bekommen wir hier umsonst. Zwar findet man die Texte auch im Internet, muss sie dann allerdings mühsam auf dem hellen PC-Bildschirm lesen. Und im Buchformat kosten sie dann wieder Geld- nicht viel und die meisten sind diesen kleinen Betrag wert- aber umsonst ist umso besser.
Nach einem halben Jahr mit dem Kindle Vier kann ich eine Bilanz zum Produkt ziehen (nur zum reinen Produkt): Es sieht aus wie neu. Kein einziger Kratzer, die Tasten wackeln nicht, alles perfekt.
Die Darstellung eines Covers
Doch wie viel lese ich denn nun mit dem Reader? Die Antwort ist: nicht so viel, wie ich normale Bücher lese. Denn ich glaube nicht, dass die eBooks die normalen Bücher verdrängen werden. Die beiden Märkte werden parallel bestehen, denn ich glaube auch nicht, dass eBooks eine Randerscheinung sind. Ich lese gerne auf dem Reader und er ist sehr praktisch. Gerade die Independent-eBooks, die nicht viel kosten, sind oft kurzweilige Unterhaltung, die man sonst niemals so in Buchform bekommt (es werden ohnehin viel zu wenige Kurzgeschichten wirklich gedruckt). Und auch die kostenlosen Klassiker haben mich dazu gebracht, wenigstens drei, vier Werke der klassischen Literatur durchzulesen und in einen Haufen davon reinzuschmökern.
Und gerade lesefreundlich wird der Reader durch sein Design. Mit seinen 170g ist er federleicht und sogar leichter als die Mehrzahl aller Bücher. Die Schriftgrößen können perfekt auf den Leser angepasst werden; das ist nicht nur für Sehbehinderte sehr gut, es ist auch noch sehr entspannend, die Buchstaben mal etwas größer vor Augen zu haben. Durch die schlichten Menüs, das schlichte Aussehen und die wenigen Tasten, die alle nur praktische Verwendung haben und, wie die Gesamtverarbeitung sehr stabil sind, konzentriert man sich auf eine Sache: Das Lesen.
Und das ist es ja, worum es letztendlich geht.





Kleinste Schrift
Mittlere Schrift

Große Schrift

















Hier ein paar der Schriftgrößen im Vergleich.
Zur besseren Ansicht einfach auf die Fotos klicken.

Dienstag, 10. Juli 2012

Game Of Thrones- Staffel 1 (So gut wie die Bücher?)


Quelle: Amazon.de

In einer fremden Welt bekämpfen sich die Familien der großen Häuser. Das Ziel: Der Eiserne Thron und damit die Herrschaft über die Sieben Königslande.
Nachdem die Rechte Hand des Königs kürzlich verstarb, ist es für König Robert Baratheon an der Zeit, einen neuen Mann an seiner Seite zu finden. Seine erste Wahl- sein langjähriger Freund Eddard Stark, Herr über Winterfell.
Nach einigen Zweifeln reist Stark mit Baratheon nach Königsmund und besteigt den Stuhl der Rechten Hand. Doch in einer Welt von Intrigen und Verrat gibt es keine Gnaden und Gönnen- auch die Familie der Lennisters will den Thron. Und die beinahe ausgestorbene Familie Targaryen baut auf der anderen Seite des Meeres ein Heer auf, mit dem gleichen Ziel: dem Thron. Ein Spiel um den Thron beginnt, doch der Tod ist unausweichlich, denn: Wenn man das Spiel um Throne spielt, gewinnt man oder man stirbt.
Nachdem ich die ersten beiden Bücher gelesen hatte, deren Handlung die erste Staffel der Serie ja abdeckt, war ich skeptisch gegenüber der Serie. Konnte man wirklich so großartige Bücher filmisch darstellen? Und noch viel wichtiger- ist es überhaupt möglich eine so breite Handlung in knappen 10 Stunden Film darzustellen?
Oft wurden 1000-Seiten-Romane ja in Zwei-Stunden-Filme komprimiert, was einfach aufgrund der schieren Handlung gar nicht möglich ist. Aber reichen Zehn Stunden?
Im Falle dieser Serie: 10 Stunden reichen allemal. All die wichtigen Szenen wurden abgedeckt, alles ist drin. Noch darüber hinaus: Das Bild, das man sich beim Lesen von den Charakteren gemacht hat, ist einfach perfekt wiedergegeben worden. All die Emotionen können die Schauspieler korrekt ausdrücken, man empfindet mit ihnen. Mir ist über die gesamte Serie keine Fehlbesetzung aufgefallen- es ist, als würden die Gedanken, das Bild, das beim Lesen entstanden ist, direkt auf den Fernseher projiziert.
Dazu ist die Serie ein so spannungsgeladenes und bildgewaltiges Spektakel- zwar ist sie sehr intellektuell aufgebaut und enthält viele Dialoge, aber HBO ist es gelungen, diese Szenen perfekt mit der gewissen Action zu verknüpfen, die es braucht, um sie nicht zu einer reinen Dialogserie zu machen. Und an jedem Ende einer Folge ein Cliffhanger- auch wenn man wenig Zeit hat, und die Handlung, wie ich, sogar schon kennt, fiebert man trotzdem mit.
Versteht man die Serie auch, wenn man die Bücher nicht gelesen hat? Ein klares „Ja.“ Die Haupthandlung ist interessant und ansehnlich, beinahe selbsterklärend, während die charakteristischen Merkmale der Charaktere sich während der Serie langsam aufbauen und so ganz nebenbei und unauffällig, wie selbstverständlich, in den Kopf der Zuschauer fließen.
Mit Game of Thrones ist HBO ein weiteres Meisterwerk gelungen- nach Band of Brothers und The Pacific gehört Game of Thrones wohl mit zu den besten Serien des Senders. Wir dürfen uns auf weitere Staffeln der Serie freuen.

(Das Video zeigt ein kleines, nachträgliches "Unboxing" der Blu-Ray:) )

Sonntag, 8. Juli 2012

Rezension: Das Lied von Eis und Feuer- Teil 1 (Die Herren von Winterfell) und 2 (Das Erbe von Winterfell) - GRR Martin


Band 1 (bzw. 1.1)
Quelle:Blanvalet


Eine fremde Welt. Der Kampf um den eisernen Thron. Der Kampf um die Krone, welche die Regentschaft über die vereinten Sieben Königsländer bezeugt.
Doch der Winter naht, in diesem Lande, das den Namen Westeros trägt, und dieser Winter wird viele Jahre dauern.
Nach vielen Jahren treffen sich Eddard Stark- Wächter des Nordens- und Robert Baratheon- König über die Sieben Länder- wieder. Viele Jahre hatten sie Seite an Seite gekämpft, sich dann aber aus den Augen verloren.
Jetzt ist die Lage anders. Die Rechte Hand des Königs ist tot- gestorben, wie es den Anschein hat, und Baratheon möchte Stark zur neuen Rechten Hand ernennen.
Auf der anderen Seite steht das Haus der Lennisters; Cersei Lennister- vermählt mit Robert Baratheon- hat einen Sohn- den rechtmäßigen Erben des Throns. Und so kämpft auch diese Familie um den Thron.
Und dann ist da noch Viserys Targaryen mit seiner Schwester- er hielt es für unrechtmäßig, dass ihm das Anrecht auf den Thron verwährt wurde und sucht nun bei dem Nomadenvolk der Dothraki Hilfe. Der Pakt- Khal Drogo von den Dothraki bekommt Viserys' Schwester, dafür bekommt er eine Armee, mithilfe derer er sich die Krone erobern will.
Das Spiel um den Eisernen Thron beginnt also, doch in einer Welt von Intrigen und Verrätern ist nichts so, wie es scheint und es gilt stets: „Wenn man das Spiel um Throne spielt, gewinnt man oder man stirbt.“

Anfangs, vor dem Lesen, habe ich wirklich gezweifelt, ob ich durch so eine Story überhaupt durchblicke. In Fantasywelten taucht man meistens ein- mehr noch, als bei einem Krimi, so atmosphärisch dieser auch sein mag. Denn Krimis und Schmöker, Romane- sie spielen in unserer Welt. Fantasy spielt in einer ganz anderen. Eine Instant-Welt zum Mitnehmen, die man immer aufklappen kann, wann man will.
An den Schreibstil von George RR Martin muss man sich gewöhnen. Er schreibt nicht wie alle anderen, aber das meine ich keinesfalls negativ. Martins Schreibstil ist etwas völlig anderes. Während bei normalen Autoren alles wie Alltagssprache klingt (was nicht schlecht ist, sondern einfach anders), klingt bei Martin jeder Satz wie ein Gedicht. Jedes Wort scheint wie eine Kostbarkeit, die behutsam platziert und festgehalten wurde. Das ist eine Leistung, die ich bis jetzt bei keinem anderen Autoren so empfunden habe. Und dabei ist trotzdem alles direkt verständlich.
Band 2 (bzw. 1.2)
Quelle: Blanvalet

Auch in die verstrickt erscheinende Story kommt man sehr, sehr schnell rein. Es gibt viele Handlungsstränge, die einfach zu verfolgen sind und sich irgendwann in späteren Kapiteln kreuzen. Das Gute daran ist, dass nie etwas so kommt, wie man es erwartet. Es wirkt nichts geplant, die Charaktere handeln genau so, wie eben sie handeln würden. Jeder Protagonist hat eine eigene, nachvollziehbare Persönlichkeit und individuelle Handlungen. Sie entscheiden eben nicht so, wie es für die Story am Besten ist, sondern, wie sie handeln würden. Das hat Martin wie ein Meister gemacht. Ich habe noch kein Buch gelesen, in dem die Charaktere besser waren.
Glaubwürdiger.
Und genau aufgrund dieser Aspekte zwingt einen das Buch zum weiterlesen. Im Deutschen wurde der erste Originalteil ja aufgrund seiner Immensität in zwei Bände aufgeteilt; ich empfehle, sie direkt hintereinander zu lesen, weil es keinen Cut oder so gibt. Aber wenn man den ersten Teil gelesen hat, zwingt George RR Martins Stil einen ohnehin sofort zum Lesen des zweiten Bands.
Und drei, und vier und fünf.
Nur um letztendlich herauszufinden, wer das Spiel um den Eisernen Thron gewinnt...
...und wer verliert. Stirbt.


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Hier möchte ich mich ein weiteres Mal bei Lovelybooks.de für den Gewinn der gesamten Bücher 1-9 bedanken. Damit habt ihr mir das Jahr 2012 zu einem Top-Jahr gemacht :D

Donnerstag, 27. Oktober 2011

eBooks - Die Zukunft oder zum Aussterben geschaffen?

Wer kennt es nicht? Ein schönes Buch aus seiner Plastikfolie zu schälen, den Schutzumschlag abzumachen und sofort, augenblicklich loszulesen? Man bezeichne mich als krank, aber allein der Geruch eines frischgedruckten Buches macht mich high und wenn ich mich einfach so vor's Bücherregal stelle und durch die Seiten all dieser Werke blättere- viele gelesen, viele ungelesen- können Stunden vergehen. Wenn man das Buch zuklappt, mit einem Finger als Lesezeichen auf der Seite, die man grade durchgelesen hat und sich sagt- nur noch ein Viertel, dann bin ich durch (was man mit einem freudigen Gefühl sagen kann, aber auch mit einem Gefühl der Trauer)! Dieses Gefühl ein gerade ausgelesenes Buch nochmal in der Hand zu wiegen und zu sagen: "Das war's." Das Buch nicht direkt ins Regal zu stellen sondern noch einmal auf dem Schreibtisch stehen zu lassen und es anzuschauen und an all die Dinge denken, die darin passiert sind...
Bei einigen wirklich kranken, verdammt Büchersüchtigen ist es sogar die Freude, das Lieblingspapier an einem anderen Buch wieder zu erkennen (meines ist München Super, auf dem die neue Stephen-King-Auflage gedruckt wird- einfach herrliches Lesegefühl)... Ich könnte hier noch lange weiterträumen.
Und dann ist da noch das eBook.
Das eBook kann man nicht zuklappen, in der Hand wiegen und sagen: "Wow, das ist ja schwer, ob ich das durchbekomme?" Das eBook kann man nicht ins Regal stellen. Niemand bewundert ein Regal voller eBooks, wenn er in einen Raum kommt und denkt "Ist der aber belesen." 
Erst neulich war ich auf einem Flohmarkt und habe gedacht: Wie sieht es hier in vierzig, fünfzig Jahren aus? EBooks kann ich nicht auf dem Flohmarkt verkaufen. Man kann auch nicht, wie es trotz amazon.de, weltbild.de und co. immer noch schön ist, in den Buchladen gehen und eBooks stöbern, in ihnen Blättern, die ersten Sätze lesen.
Amazon brachte jüngst die vierte Generation seines eBook-Readers Kindle raus. Schon zuvor haben sie ein Programm herausgebracht, dass es ermöglicht, die bei ihnen gekauften eBooks über iPhone, iPod, iPad, Mac, Android Tablet oder auch Windows zu lesen. Tablets und irgendwelche iProdukte habe ich nicht, aber ein ganz normales Netbook und natürlich habe ich die Kindle-App sofort installiert. Habe mir ein, zwei eBooks zum Preis von je zwei, drei Euro gedownloadet und- was ich für einen großen Vorteil halte- kostenlose Klassiker. Siebzig Jahre nach seinem Tod verliert der Autor seine Urheberrechte an seinem Werk und es ist frei publizierbar. Das heißt aber nicht, dass man die Bücher umsonst bekommt. All die Reclam-Heftchen kosten trotzdem noch Geld, all die kleinen (und auch großen) Verlage, die Klassiker rausbringen, müssen sich auch über Wasser halten. Amazon bietet all diese Klassiker umsonst an. Das ist ein wirklicher Vorteil, will man einfach mal wissen, was Goethe, Tolstoi, Poe und all die anderen überhaupt geschrieben haben, dass sie so berühmt wurden, oder aber auch, wenn man Literatur studiert und verdammt viele Klassiker lesen (und dementsprechend kaufen) muss. Oder aber auch, wenn man sich einfach für Literatur interessiert.
Na ja, nun lagen all diese Klassiker und die beiden eBooks (Ur von Stephen King und Splinter, die englische Ausgabe von Sebastian Fitzeks Splitter) in meinem virtuellen Bücherregal. Und sie ruhten da und ruhten und ruhten. Ich habe vielleicht mal kurz reingelesen, aber mehr nicht.
Der Reiz war nicht da. Der Reiz, den man bei einem gedruckten Buch verspürt, wenn man es gekauft hat. All die ungelesenen Bücher in meinem Regal schreien "Lies mich! Lies mich! Lies mich!" und man schaut in sein Regal und denkt: ja, warum eigentlich nicht?
Den Reiz hatte ich bei den eBooks nicht. Ich habe reingelesen und immer wenn es nur etwas langweilig wurde, habe ich das Programm minimiert und weiter im Internet gesurft. Nun ist natürlich die Frage: Ist das bei eBook-Readern auch so? Und wenn ich ehrlich bin: Ich weiß es nicht. Ich habe keinen Reader, auch wenn ich überlege, mir einen anzuschaffen.
Letztendlich habe ich vor etwa einer Woche mein erstes eBook durchgelesen. Es war sehr spannend und ich hab' es an einem Tag durchgelesen, was allerdings auch daran lag, dass es eines von Stephen King war. Das Lesegefühl war okay, doch vermisst man schon die Seiten. Würde ich mir einen eBook-Reader anschaffen, würde das für mich lange nicht heißen, dass ich mich von den bedruckten Seiten abwenden würde. Ich würde weiterhin Bücher kaufen, wahrscheinlich fast so viele wie zuvor, dazu kämen dann noch die eBooks. Würde ich sie lesen? Wahrscheinlich. Wahrscheinlich, dass ich die eBooks lesen würde, die ich mir kaufen würde, aber- würde ich sie mir kaufen? eBooks sehen auf der Amazon-Seite genauso aus wie die Bücher (bei Droemer-Knaur oder Fischer einzig dadurch unterschieden, dass ein kleines eBook Zeichen den vollen Blick auf das Cover versperrt), aber nicht nur die Cover sind ähnlich- auch der Preis.
Einige Verlage bieten die eBooks zu exakt dem gleichen Preis an, wie die gedruckten Werke. Was soll das? Das würde ja bedeuten, dass die Verlage, obwohl sie die Druckkosten sparen, trotzdem beispielsweise 9,95€ für ein "Taschen-eBook" wollen- das ist doch, wenn man es genau nimmt, Betrug. Kein Betrug im Sinne von Gesetzen, aber es ist eine ziemliche Dreistigkeit. Warum sollte ich mir das eBook kaufen- weil es schneller da ist? Emm... nein. Zwei Tage auf das Buch kann ich warten.
Der Kindle Keyboard (Quelle: amazon.de)

Vor allen Dingen bei gebundenen Büchern (wie heißt das nun bei eBooks?) ist der Preis ein ziemliches Problem. Ein gebundenes Buch kostet meist fast das doppelte eines Taschenbuch, was zu großen Teilen daran liegt, dass es gebunden ist. Die Druckkosten sind ganz einfach größer (mal ganz abgesehen davon, dass es teurer ist, weil es eine Neuerscheinung ist). Und eBooks? Haben keine Druckkosten, genau. Und trotzdem kosten sie fast so viel wie ein gedrucktes Buch. Nehmen wir uns den Augenjäger von Sebastian Fitzek zum Beispiel. Gebundene Ausgabe- 19,99€. Ebook- 17,99€. Abgesehen davon, dass das ein enormer Preisvorteil ist (Sarkasmus beachten), ist auch das eine mittlere Dreistigkeit, weil die Datenmenge ja nicht besser 'gebunden' ist, als ein "Taschenbuch". Und kommt das Taschenbuch raus, dauert es erstmal eine Weile, bis der eBook-Preis aktualisiert wird (wenn es überhaupt dazu kommt- wenn nicht, dann wäre das eBook sogar teurer als das gedruckte Buch).
Als einer der größten Vorteile für eBooks wird gewertet, dass sie platzsparender sind, als eine riesige Bibliothek. Für Menschen, die viel Reisen, mag das stimmen. Zumal ich bei 4-wöchigem Urlaub den halben Koffer mit Büchern vollpacken würde. Reist man, ist der Reader perfekt. Ist man wieder zu Hause, kann man wieder zum normalen Buch greifen. Ich sehe für die Menschen, die viel Zeit zu Hause sind, also keinen Grund dort einen eBook-Reader zu haben.
Eine Zwischenlösung wäre natürlich das Koagieren von Buch und eBook. So viel kostet ein Reader auch wieder nicht. 100 Euro kostet der jüngste Reader von Amazon- das ist eine Stange Geld, aber nicht die Welt. Reist man mit Bus und Bahn zur Arbeit, dann ist ein Gebundenes Buch nicht unbedingt vorteilhaft (man stelle sich vor, man käme mit Lew Tolstois Krieg und Frieden in die Bahn und bekommt einen Stehplatz- mit der einen Hand festhalten, mit der anderen Hand das 1.500-Seiten-lange Buch und über eineinhalb Kilo schwere Buch lesen... hmm...). Da wäre ein Reader mit seinen 200 Gramm schön. Und zu Hause liest man dann wieder ein normales Buch. Für die meisten ist es kein Problem, zwei Bücher gleichzeitig zu lesen (sogar drei oder vier sollen einige schaffen), doch für die, die sich immer nur einen Handlungsstrang merken können (von denen es mindestens genauso viele gibt), ist das natürlich ein Problem. In der Bahn mit eBook-Reader, zu Hause das selbe Buch, bloß gedruckt? Das ist nicht nur irgendwie blöd, sondern auch Geldverschwendung. Entweder, man steigt dann ganz auf den eBook-Reader um, oder... nun- oder? Oder was?
Ebooks sind in Amerika schwer im Kommen, in Deutschland wird zwar viel drüber gesprochen- auf den Boom wartet man vergeblich. Das liegt an all diesen Gründen. Wenn sich eBooks in Deutschland durchsetzen sollen (wobei ich denke, dass, wenn dies passiert, eBooks und Bücher parallel zueinander existieren werden), dann müssen die Verlage und Händler dem Kunden etwas entgegenkommen. Ein Beispiel dafür wäre zum Beispiel ein jedem gedruckten Buch beigefügten Download-Code, bei dem man sich für sein Lieblingsebookformat entscheiden müsste- warum macht das keiner?!
Auch beim Preis muss sich noch mächtig etwas tun, wenn sich das eBook durchsetzen soll. Mein favorisierter eBook-Reader, der Kindle Keyboard, kostet 120 Euro. Ein Taschenbuch-eBook bringt im Normalfall einen Preisvorteil von etwa einem Euro, mal mehr, mal weniger. Das heißt, dass man etwa 120 eBooks kaufen muss, damit sich der Reader wirklich rentiert. Selbst bei Viellesern bedeutet das etwa 2 Jahre (ich lese etwa 60 Bücher im Jahr), natürlich davon ausgehend, dass man nur eBooks liest. Gelegenheitsleser oder diejenigen, die nur manchmal eBooks lesen und hauptsächlich Gedrucktes, werden vermutlich nie, oder erst nach  fünf, sechs Jahren auf ihre Kosten kommen (wobei das Gerät dann schon kaputt sein kann). Oder wird das eBook in fünf Jahren schon weg vom Fenster sein?
Das eBook wird von einigen Menschen als ein weiterer Trend abgetragen, von denen es in letzter Zeit (aber auch in vergangenen Jahren) viele zu geben scheint. 3D-Fernsehen heute (jetzt bitte keine Kommentare wie: 3D ist doch keine Trenderscheinung, das wird sich 100-prozentig durchsetzen!) oder Bild-Schallplatten früher. eBooks könnten natürlich eine Trenderscheinung sein. Was ist nun mit denen, die sich heute einen Reader kaufen? Werden sie- sollte sich das eBook als vorübergehender Trend herausstellen- in einem Jahr womöglich nutzlosen Elektromüll in der Hand halten?
Genau das ist der Grund, aus dem ich mir keinen Reader kaufe. In ein, zwei Jahren ist alles vorbei, ist er nutzlos. Nun, vielleicht. Aber wenn alle so denken, wird es so eintreffen. Es muss eben diejenigen geben, die trotz allen Risiken und Nebenwirkungen eBooks lesen. Wenn es diese nicht gibt, dann gibt es bald auch kein eBook mehr. Denn es gibt auch Trends, die sich durchgesetzt haben. Vor 70 Jahren etwa sagten sich viele, Fernsehen sei eine Trenderscheinung- wer hat heute keine Glotze? Vor 20 Jahren sagten viele Menschen, Computer wären nutzlos und das Internet würde sich nicht durchsetzen- heute liest du diesen Blogpost.
Und sicherlich gab es auch vor 500 Jahren Menschen die so über den Buchdruck dachten. Und heute habe ich über 400 Bücher im Regal stehen, und es gibt Millionen Menschen, die noch mehr in ihrem Regal haben.

Das eBook ist sicherlich noch nicht ausgereift und hat so einige Nachteile, aber man sollte die Vorteile nicht ungesehen lassen und manchmal ist ein eBook durchaus eine gelungene Abwechslung.